Im Life-Science Bereich und anderen wissensintensiven Branchen bieten künftig hybride Messen einen Mehrwert

Nicola Scharrer ist Head of Marketing & Communications bei ITM. ITM Isotopen Technologien München AG produziert, entwickelt und vertreibt diagnostische und therapeutische Radiopharmazeutika und Radioisotope für die Krebsbehandlung. Im Interview mit dem Kreativstüberl teilt Nicola Scharrer, wie ITM ihre Messestände digitalisierten und blickt in die Zukunft der Messebranche.


Seit wann planen Sie Ihren Messeauftritt digital und wie kam die Idee dazu?

Scharrer: Wir arbeiten bereits seit 2016 mit Plan 3 zusammen. Zunächst ging es dabei um klassische Messestände. Mit Corona hat sich dann die gesamte Messebranche gewandelt. Im März 2020 wurde die erste Messe digital übertragen, so dass wir uns auch Alternativen überlegten. Innerhalb von sechs Wochen konzipierten wir mit dem Kreativstüberl unseren digitalen Messestand. Wenn man so lange zusammenarbeitet, dann lassen sich neue Ideen zum Glück schnell in die Tat umsetzen.

Wir sind auch vorher schon digital unterwegs gewesen. Insbesondere auf den Social-Media-Kanälen posten wir sehr aktiv. Wissenschaftliche Symposien haben wir immer mitgefilmt, damit wir sie im Anschluss unseren Kunden und Followern präsentieren können. Die Entwicklungen im Life-Science-Bereich sind schon immer sehr schnell gewesen. Mit Radiopharmazeutika bewegen wir uns in einer Nische, wir müssen uns also immer schnell auf Veränderungen einstellen. Eine digitale ITM-Welt war daher nur eine Frage der Zeit, auch wenn dieser Schritt noch nicht so früh geplant war.

Sie nutzen die Virtual World als digitalen Messestand. Wie präsentieren Sie Ihr Unternehmen konkret?

Scharrer: Wir haben vier virtuelle Räume, die der Zuschauer betreten kann: Im Corporate Room erfährt der User etwas über die Firma im Allgemeinen. Er kann sich Videos und Imagefilme herunterladen und sich zum Beispiel generell über unsere Therapie informieren oder die Firmenkultur selbst betreffende Dinge wie das Thema Diversity bei ITM. In einem weiteren virtuellen Raum präsentieren wir alles rund um unsere zukünftigen Themen, die bei ITM in der Pipeline liegen. Zusätzlich haben wir einen Raum für unsere klinische Phase III Studie und in unserem vierten Raum präsentieren wir unsere Produkte.

Eine Virtual World bietet dem Unternehmen und auch den Usern ein weites Spektrum: Die Informationen, die man als Unternehmen platzieren kann, würden niemals in dieser Tiefe auf einem Messestand dargestellt werden können. Der User kann direkt und ganz nach seinen Vorlieben in die Räume eintauchen und sich sehr umfassend informieren.

Eine kleine Hürde war bei uns intern der Umgang mit dem Chat-Programm. Diese Live-Kommunikation war am Anfang sehr ungewohnt für uns, daher haben wir unseren ersten Auftritt auch ohne Chat-Funktionalität umgesetzt. Mittlerweile nutzen wir diesen Dialog-Kanal deutlich mehr für die Kundenkommunikation.

Setzen Sie die virtuelle Welt auch intern ein?

Scharrer: Nein. Mit dieser Welt präsentieren wir uns nach außen. Im Team nutzen wir auch digitale Kanäle wie E-Mail und Team-Meetings oder greifen einfach zum Telefon. Firmenweite Events wollen wir nach wie vor in der Realität abhalten, aber wer weiß, was da die Zukunft bringt – gerade wenn wir eines Tages vielleicht mehr Kollegen an regional sehr unterschiedlichen Standorten oder sogar Ländern verbinden müssen.

Wie ist die Resonanz der Kunden?

Scharrer: Die Resonanz ist sehr unterschiedlich. Insbesondere unser Sales-Team bekommt starke und auch sehr positive Resonanz bei den bekannten Produkten. Bei den komplexen neuen Themen der Pipeline merken wir, dass die Hemmschwelle doch größer ist, sich als User allein damit in einer virtuellen Welt zu beschäftigen. Das persönliche Gespräch ist und bleibt bei unseren Kunden, egal ob Produkte oder Pipeline, unersetzlich.

Was raten Sie jemanden, der noch nicht so digital aufgestellt ist?

Scharrer: Das Invest lohnt sich auf jeden Fall. Die virtuelle Welt kann auch als Showroom für die Unternehmenswebsite eingesetzt werden. Das bietet einen deutlichen Mehrwert für den User und potenzielle neue Kunden. Es müssen nicht immer gleich vier ganze Räume sein, so wie wir sie nutzen.

Ist die Zukunft der Messe digital?

Scharrer: Ich denke, es ist branchenspezifisch sehr unterschiedlich. Bei Konsumgütern ist es einfacher, diese auch rein digital zu präsentieren. Im High-Tech und Healthcare-Bereich, in dem wir tätig sind, ist der persönliche Kundenkontakt weiterhin sehr wichtig. Unsere Kunden sind Ärzte, die sehr tief in die Materie eintauchen und den Dialog mit uns auch direkt suchen. Je erklärungsbedürftiger  das Produkt wird, desto wichtiger ist meines Erachtens der persönliche Austausch mit Experten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Veranstalter in unserem Bereich auch Ende des nächsten Jahres hybride Lösungen anbieten. Messen werden sich definitiv verändern. Es wird mehr Livestreamings und Aufzeichnungen geben auf und im Nachgang zu physischen Messen und Konferenzen.

Die Aufzeichnungen sind außerdem wie geschaffen für Weiterbildungen: Insbesondere für Auszubildende und Studenten sind sie eine tolle Informationsquelle, gerade im Hinblick auf die Kosten einer Konferenzteilnahme, im Nachgang der Events.

Vielen Dank für das ausführliche Interview!

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